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LUISE, ZAR UND TEUFEL
EUROPÄISCHE RUSSLANDBILDER AUS VIER JAHRHUNDERTEN
24. Mai bis 13. August 2006

Vor wenigen Jahren gelang es der Stiftung der Stadt- und Saalkreissparkasse Halle, einen Kunstschatz von nahezu 500 kostbaren Druckgraphiken aus dem Strudel der europäischen Geschichte in die Kulturstadt Halle an der Saale zu retten: Sie erwarb in zwölf großen Künstlermappen die legendären Sankt-Petersburger Materialien für eine Russische Ikonographie mit seltensten Blättern aus ganz Europa, die sich im Nachlass einer russischen Emigrantin gefunden hatten.

Dieser Kunstschatz, durch den europäischen Conaisseur Dmitrij A. Rovinskij gesammelt und in der wohl größten europäischen Kunstdruck-Aktion des 19. Jahrhunderts in der Sankt-Petersburger Staatspapierdruckerei herausgegeben, hat wie Russland sein Fatum. Ebenso wie viele Emigranten, wurden diese Blätter von den politischen Orkanen des 20. Jahrhunderts durch Europa und die Welt gewirbelt. Von Russland über Paris und Köln kamen sie so schließlich nach Halle an der Saale.
In dem neuen Kunstforum Bernburger Straße finden sich nun prachtvolle Kupferstiche und beißende politische Satiren als unterhaltsames, facettenreiches Bild von Russland und Europa. Die Petersburger Kunstblätter machen sinnenfällig, dass Europa schon immer mehr war als nur das ‚Abendland'. Denn seit Jahrhunderten haben die west- und osteuropäischen Mächte samt der Türkei im europäischen Konzert spannungsvoll zusammengewirkt. Der Titel der Ausstellung spielt auf ein entsprechendes Pariser satirisches Blatt an: Zar Alexander I. sinniert zwischen der liebreizenden preußischen Königin Luise und dem englischen König, der in Gestalt eines geldsacktragenden Teufels auftritt, über das Schicksal Europas.

Mit dieser ersten Ausstellung im Kunstforum Bernburger Straße wird ein gesamteuropäischer Horizont aufgerissen. Die Kulturstadt Halle agiert hier wieder als klassischer Ort europäischer Russlandbeziehungen. Eine prächtige zweibändige Buch-Edition des DuMont-Verlags dient für die Ausstellung als Katalog, wodurch der große hallesche Kunstschatz auch über die Grenzen von Sachsen-Anhalt und Deutschland hinausstrahlt.

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