Ausstellung
20. Aug  bis 15. Sep 2013

Veranstalter: Stiftung der Saalesparkasse

Money, Money, Money

Dreissig Silberlinge – Sammlung Haupt

Zeitgenössische Positionen zum Thema Geld

Ein zur Origami-Skulptur gefalteter 10-Dollar-Schein des taiwanesischen Künstlers Ming-Wei Lee inspirierte den Rechtsanwalt Dr. Stefan Haupt, Werke zum Thema Geld und Kunst zu sammeln. Heute besitzt Dr. Stefan Haupt die größte Kunstsammlung zu diesem Thema. In den vergangenen 20 Jahren Sammelleidenschaft erwarb er circa 170 Arbeiten von mehr als 100 nationalen und internationalen Künstlern, darunter finden sich Namen wie Beuys, Balkenhol und Staeck.

Objekte, Readymades, Fotografien, Collagen, Druckgrafiken, Videokunst und Malerei dokumentieren den Facettenreichtum in der Auseinandersetzung mit diesem Thema. Im Kunstforum Halle wird nun ein interessanter Streifzug durch die Geldkunst und das Kunstgeld mit mehr als 100 Exponaten der Sammlung präsentiert.

Anlässlich des 70. Geburtstages des halleschen Künstlers Wolfgang Timme, dessen „Goldmarie“ ebenso in der Sammlung Haupt vertreten ist, findet ergänzend eine kleine Sonderschau statt.

8. September 2013 \ 15 Uhr
Führung mit Dr. Stefan Haupt (Sammler)

Eintritt: 2,50 Euro \ 2 Euro für Kunden der Saalesparkasse \ 1,50 Euro ermäßigt

Interview mit Stefan Haupt

Der Maler und Objektkünstler Marcel Duchamp sagte einmal: „Die eine Hälfte des Kunstwerks macht der Künstler, die andere vollendet der Sammler.“ Sehen Sie dies auch so?

Ich glaube, dass es nicht darauf ankommt, ob ich es wie Marcel Duchamp sehe. Vielmehr ist es so, dass Künstler und Galeristen den Kontakt zu mir als Sammler suchen. Dabei könnten zwei Aspekte im Vordergrund stehen: Der eine rein ökonomische besteht sicher darin, Kunst zu verkaufen. Das ist das Anliegen sowohl von Künstlern als auch von Galeristen. Der andere ist, dass es Künstler gibt, denen es wichtig ist, in der Sammlung vertreten zu sein, weil sie dort ihren Platz sehen. Diesbezüglich würde ich Ihnen zustimmen, dass man beiderseits nach Synergieeffekten sucht.

Was macht für Sie den besondern Reiz am Sammeln aus?

Diese Frage ist kurz zu beantworten: Neues zu entdecken! Seit Anfang der 70er Jahre beschäftigen sich die Künstler – nach der Aufhebung der Bindung des Dollars an die Goldreserven – mit dem Thema Geld. Ich habe in den letzten 20 Jahren viel gesehen und bin nach wie vor neugierig darauf, Neues zu entdecken.

 Warum gerade Geld?

Erst habe ich planlos gesammelt, später suchte ich nach einer Struktur. Nachdem das Sammeln von Fotografien zur Massenerscheinung wurde, habe ich mich entschieden, ein Tabu-Thema auszuwählen. Das waren Mitte der 90er Jahre Geld, Sex und Tod. Das Geld schien mir von den dreien die einzige Alternative.

Haben Sie da zu einzelnen Stücken ganz persönliche Beziehungen? 

Zu vielen Stücken gibt es eine besondere Beziehung. Diese besteht in der Geschichte, die mit dem Erwerb des Kunstwerkes zusammenhängt. Es hat Jahre gedauert, bis ich die erste Arbeit von Beuys hatte. Der Hocker von Wolfgang Nieblich hat mich immer schon gereizt, aber auch hier hat es Jahre gedauert, bis ich ihn vor mir stehen hatte. Um die komplette Transaktion von JSG Boggs in den Händen zu halten, bedurfte es vier bis fünf Wochen dauernder Abstimmungen. Jahre habe ich nach einer Arbeit von Jan Henderikse gesucht. Das Problem bestand darin, dass ich immer nur die Arbeit beschreiben konnte und nicht den Künstlernamen wusste. Ich habe jeder Galerie erzählt, welche Arbeit ich vor Jahren in einer Ausstellung gesehen hatte. Die Arbeit von Ming-Wei Lee ist eine der Schlüsselarbeiten. Das Besondere besteht darin, dass sie die Ästhetik der Fotografie mit dem Thema Geld im positiven Sinne vereint.

Gibt es ein Lieblingsstück?

Die Arbeit von Ming-Wei Lee.

Welche Kriterien müssen die Objekte denn erfüllen, dass Sie in Ihre Sammlung kommen?

Am Anfang habe ich nur nach neuen Materialien und neuen Techniken gesucht, die sich mit dem Thema Geld beschäftigen. Heute prüfe ich, ob das Werk eine neue Aussage zum Thema Geld trifft, ohne bereits Bekanntes zu kopieren und damit inhaltlich einen neuen Aspekt in die Sammlung einbringt.

Haben Sie sich ein Limit gesetzt, was die Größe Ihrer Sammlung angeht?

Nicht mehr. Die Sammlung trägt den Titel „Dreißig Silberlinge“. Aus diesem Grund sollte sie auch auf 30 Arbeiten begrenzt sein. Nachdem ich allerdings 30 Arbeiten besaß, wurde mir klar, dass ich das Thema nur zu einem Bruchteil abgebildet hatte. Dann ging das planmäßige Sammeln erst richtig los.

Sie lassen die Öffentlichkeit an Ihrer Leidenschaft teilhaben, verstecken die Kunstobjekte ja nicht im Privaten. Steckt da der Wunsch oder die Lust dahinter, auch ein Stück von sich selbst preiszugeben?

Immer, wenn man mit Menschen kommuniziert, gibt man ein Stück von sich preis. Und nur wenn man mit anderen Menschen kommuniziert, hat man die Chance, Neues zu erfahren. Das bereichert das eigene Leben. Mit der Sammlung verbinde ich weder den Wunsch noch die Lust, etwas von mir selbst preiszugeben, sondern vielmehr das Anliegen, mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Hatten Sie eigentlich schon immer ein Faible fürs Sammeln? Gab es eventuell etwas, was Sie gesammelt haben, bevor Sie vor gut 20 Jahren begannen, Geldkunst/ Kunstgeld zu sammeln?

Als Kind habe ich Matchbox-Autos gesammelt, als Teenager Schallplatten. Insoweit steckt die Sammelleidenschaft bereits von Kindesbeinen an in meinem Blut.

Was war die skurrilste Begebenheit in Ihrer Zeit als Sammler?

Als ich noch ohne Konzept gesammelt habe, wollte ich unbedingt aus der Serie der Blumengrafiken von Dali die Passionsblume haben. Als das Blatt geliefert wurde, konnte ich unschwer feststellen, dass es sich um eine Fälschung handelte. Das war für den Lieferanten kein Problem. Er sagte mir eine Ersatzlieferung zu. Das Skurrile bestand darin, dass auch das zweite Blatt eine Fälschung war. Das hatte zur Folge, dass ich dann meinen Fokus auf die Künstler und Werke richtete, bei denen das Risiko, eine Fälschung zu kaufen, unwahrscheinlich ist.


Publikation

Hermann Büchner, Tina Sauerländer (Hrsg.)
Sammlung Haupt – Dreißig Silberlinge – Kunst und Geld

Edition Braus, Berlin (2013)
Mit 120 farbigen Werkabbildungen und Einführungstexten
208 Seiten (Hardcover)
ISBN 9783862280865
24,95 €